Warum es mir so schwer fällt, für mich selbst einstehen zu können?
- Bettina Cornelius

- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Gewohnte Reaktionen verstehen – und neue Handlungsspielräume entdecken
Es sind oft keine großen Situationen, in denen sich zeigt, dass wir uns selbst zurücknehmen.
Eher diese leisen Momente im Alltag.
Eine Kollegin fragt dich, ob du etwas übernehmen kannst. Du bist eigentlich ausgelastet. Und trotzdem sagst du: „Ja, ich mach das schnell.“
Erst später merkst du, wie sich Druck aufbaut.
Oder du bist in einem Gespräch, wirst verletzt – und sagst nichts.
Nicht, weil es dir egal ist. Sondern weil etwas dich zurückhält. Stattdessen wirst du still.
Und erst im Nachhinein wird dir klar, was du eigentlich hättest sagen wollen.
Vielleicht kennst du auch dieses Gefühl, dich anzupassen, obwohl etwas in dir in eine andere Richtung möchte. Und irgendwann taucht dieser Gedanke auf:
Ich war gar nicht wirklich bei mir.
Vielleicht hast du dich in solchen Momenten schon gefragt, warum es dir so schwer fällt, für dich selbst einzustehen.
Oder anders gesagt: warum es dir schwer fällt, wirklich für mich selbst einstehen zu können, auch wenn du spürst, was du eigentlich brauchst.
Wenn Reaktionen schneller sind als Entscheidungen
In vielen dieser Situationen scheint es, als würdest du dich bewusst entscheiden.
Und gleichzeitig fühlt es sich oft nicht so an.
Die Reaktion ist einfach da.
Das „Ja“, bevor du wirklich geprüft hast.
Das Schweigen, bevor Worte entstehen.
Der Rückzug, bevor du dich zeigen kannst.
Es ist, als würde etwas in dir schneller reagieren, als du es bewusst beeinflussen kannst.
Und genau hier liegt ein wichtiger Unterschied:
Nicht alles, was wir tun, ist eine aktive Entscheidung. Vieles ist eine gewohnte Reaktion.
Was hinter diesen Reaktionen liegen kann
Solche Muster entstehen nicht zufällig. Sie entwickeln sich in Beziehungen, Erfahrungen und Zusammenhängen.
Vielleicht hast du gelernt, dass es leichter ist, dich anzupassen, als anzuecken.Vielleicht war es sinnvoll, Konflikte zu vermeiden.
Vielleicht hat es sich sicherer angefühlt, die Bedürfnisse anderer im Blick zu behalten.
Was heute wie ein Hindernis wirkt, war möglicherweise einmal eine gute Lösung.
Wenn man beginnt, das zu sehen, verändert sich die Perspektive.
Das Verhalten wirkt nicht mehr wie ein persönlicher Fehler, sondern wie etwas, das in einem bestimmten Kontext Sinn ergeben hat.
Für mich selbst einstehen – und warum „einfach entscheiden“ nicht reicht
Viele Menschen denken an diesem Punkt:
Ich müsste mich einfach mehr trauen. Klarer sein. Mich entscheiden.
Und ja – Entscheidung spielt eine Rolle.Aber nicht dort, wo wir sie oft vermuten.
Denn solange eine Reaktion automatisch abläuft, gibt es keinen echten Moment, in dem du wählen kannst. Die Antwort ist schon da, bevor du sie bewusst wahrnimmst.
Was es zuerst braucht, ist etwas anderes.
Ein Moment des Bemerkens.
Ein kurzes Innehalten, in dem du wahrnimmst: Hier passiert gerade etwas in mir.
Vielleicht noch unscharf. Vielleicht nur ein Gefühl.
Aber ausreichend, um nicht sofort weiterzumachen wie gewohnt.
Der kleine Raum, in dem Veränderung beginnt
Manchmal entsteht genau dort ein kurzer Zwischenraum.
Zwischen dem Impuls und der gewohnten Reaktion.
Und in diesem Raum liegt etwas Entscheidendes:
die Möglichkeit, anders zu reagieren.
Nicht als große Veränderung. Sondern oft als etwas sehr Kleines.
Die gleiche Situation – und doch ein leichter Unterschied.
Die Kollegin fragt dich wieder. Und diesmal bemerkst du: Ich bin eigentlich voll.
Du sagst nicht sofort Nein.
Aber vielleicht sagst du:„Ich muss kurz schauen, ob ich das heute schaffe.“
Es ist nur ein Satz. Und gleichzeitig ist es etwas anderes.
Du hast dich wahrgenommen. Du hast dir einen Moment Zeit genommen. Du bist nicht automatisch deiner gewohnten Reaktion gefolgt.
Vielleicht fühlt sich das noch ungewohnt an. Vielleicht sogar unsicher.
Und doch entsteht genau hier etwas Neues.
Was sich im Kontakt mit anderen verändert
Sobald du beginnst, anders zu reagieren, bleibt das selten ohne Wirkung.
Andere reagieren möglicherweise irritiert. Gewohnte Abläufe verschieben sich. Erwartungen werden sichtbarer.
Das kann verunsichern.
Denn dein Verhalten steht immer in Beziehung zu anderen. Es ist Teil eines größeren Zusammenhangs.
Das bedeutet auch: Es geht nicht nur darum, dich zu verändern. Sondern auch darum zu verstehen, in welchen Dynamiken dein Verhalten eingebettet ist.
Wie eine systemische Perspektive unterstützen kann
In der systemischen Beratung wird genau dort angesetzt.
Nicht bei der Frage: Wie werde ich anders?
Sondern eher bei: Was wirkt hier eigentlich – und warum?
Gemeinsam wird betrachtet:
In welchen Situationen zeigen sich bestimmte Reaktionen besonders deutlich?
Mit welchen Menschen treten sie häufiger auf?
Was bewirken sie – für dich und im Kontakt mit anderen?
Oft entsteht daraus ein anderes Verständnis.
Nicht im Sinne von Bewertung. Sondern als ein Erkennen von Zusammenhängen.
Und aus diesem Verstehen heraus entwickeln sich neue Möglichkeiten.
Nicht als Vorgabe. Nicht als Technik.
Sondern als Erweiterung dessen, was für dich denkbar und möglich wird.
Vielleicht geht es gar nicht darum, sofort anders zu sein
Sondern darum, dich selbst in deinen Reaktionen besser zu verstehen.
Den Moment zu bemerken, in dem du reagierst. Und ihn ein kleines Stück offener zu halten.
Nicht alles anders zu machen. Aber vielleicht ein wenig bewusster.
Und genau dort beginnt oft das, was man als „für sich selbst einstehen“ beschreiben könnte.
Einladung zum Weiterdenken
Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, dass dich manche Situationen an dein eigenes Erleben erinnern.
Manches lässt sich gut für sich sortieren.Und manches wird klarer im Gespräch.
Wenn du das Gefühl hast, dass du deine eigenen Reaktionsmuster gern genauer verstehen möchtest, kann es hilfreich sein, sie gemeinsam anzuschauen.
In einem kostenfreien Kennenlern-Telefonat hast du die Möglichkeit, einen ersten Eindruck zu bekommen. Und wir schauen gemeinsam, ob und wie eine systemische Beratung dich darin unterstützen kann, neue Handlungsspielräume zu entwickeln.
Kontaktiere mich auch gern unkompliziert: per WhatsApp oder per E-Mail — so, wie es sich für dich stimmig anfühlt.
Ich begleite dich gern ein Stück auf deinem Weg.
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Systemische Therapie und Beratung
(IGST e.V., Heidelberg, zertifiziert bei der SG Systemische Gesellschaft)
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Systemische Angsttherapie (Dr. Bernd Schumacher),
Curriculum Systemische Paartherapie (Nele Sehrt) Curriculum Systemische Sexualtherapie (Prof. Dr. Ulrich Clement)



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